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Norbert Giese, lange Zeit für mich ein Pseudonym „aflubing“ im Forum von Lostplaces, später: im Forum von Geschichtsspuren. Als ich 2014 einen Urlaub in Ostfriesland plante, schrieb mir Norbert wir können uns doch mal Treffen. Im Urlaub kam es dann doch nicht dazu, aber schon kurze Zeit später besuchte mich Norbert bei mir in Hannover. Über die Jahre kam es zu weiteren Treffen, meistens wenn er den „Flohmarkt“ in Hannover besuchte. Diese Treffen waren ab nicht so ausschlaggeben, wie die oft sehr langen Telefonate. Besonders in den letzten Jahren waren es oft 2, 3 Telefonate die Woche. Und ehrlich, der Anruf am Freitag, der sich zu einem gewissen Standart entwickelte hatte, fehlt mir schon nach nur wenigen Monaten. Einfach das man sich ein schönes Wochenende wünscht und noch mal miteinander spricht. Diese persönliche Schiene ist leider weggefallen..!

Aber das allein wird Norbert nicht gerecht. Er kam mir über die Jahre vor, wie ein Zauberkünstler. Immer wenn ich an irgendwelchen Texten gearbeitet habe, mir eigentlich sicher war, alles an Akten gefunden zu haben, kam Norbert, griff in seinen Zauberhut, und holte ein Blatt, eine Akte oder ein Luftbild daraus hervor. Das war praktisch schon irgendwo standart. Und Norbi war in der Lage, sehr wohl ein Projekt zu verändern. Weil genau dieses Blatt, diese Akte oder das Luftbild neue entscheidende Hinweise gaben. Ich habe ihn verflucht (manchmal) und ihn aber ganz besonders geschätzt.

Norbert war im hohen Alter noch immer sehr lernfähig. Und er war bereit, das was er gelernt hat, an andere Menschen weiterzugeben. So versorgte ich Ihn mit Tipps zu seinem Computer oder sonstigen technischen Themen und er revanchierte sich mit dem korrigieren meiner Texte, war Kritiker und lieferte die eine oder andere Inspiration.

Was ich besonders an Norbert geschätzt habe, war das Verständnis für Luftbilder. Für viele ist es oft nur ein Bild. Man schaut drauf, und gut. Norbert hatte den Anspruch, alle Luftbilder zu lokalisieren. Ob in Deutschland oder im fernen Russland. Egal. Er suchte so lange in Karten oder in Google Earth, bis er es lokalisiert hatte. Manchmal haben wir das gemeinsam getan oder er kam mit Luftbildrätseln daher. Nett wenn man es erraten konnte, oder wenn man gemeinsam eine Lösung fand.
Aber gerade Details die viele übersehen, sah er, und er wies daraufhin. So das man mit der Zeit die Luftbilder ganz anders wahrgenommen hat. Man hat sich mehr mit den gegebenen Informationen befasst. Leider konnte er nicht 3D Sehen. So das die Umwandlung von zwei überlappenden Luftbildern in eine 3D Darstellung für Ihn nicht in Frage gekommen sind. Dabei war es für mich ein sehr spannendes Erlebnis, zu sehen, wie sich aus der Ansicht einer 2D Flak-Batterie auf einmal eine 3D Flak-Batterie zeigte, wo sich die Rohre wieder in den Himmel aufrichteten.

Was ich aber sehr an Ihm geschätzt habe, war, das er niemals hat einen spüren lassen, das man nicht den gleichen Bildungshintergrund hatte. Und seine Witze, die er oft selbst aus Österreich erhalten hat, und dann nur weitergeleitet hat, waren der Hammer. Wir haben jedenfalls oft gelacht.

Ich erinnere mich an Norbert besonders wenn er von seinen zahlreichen Reisen in alle möglichen Gegenden auf der Welt berichtete. Manchmal zeigte er Fotos. Gefolgt von seiner Zeit als Ruderer. Aber eben auch für die Begeisterung für kleine Dinge, wie ein Elstern Paar das bei Ihm in den Tannen regelmäßig zu Gast war. Oder von den kleinen und größeren Ereignissen in einem kleinen Ort wie Detern in Ostfriesland.

Norbert starb für mich sehr unverhofft im Dezember 2025. Noch im Sommer 2023 hatte man ihm bis zu 9 Jahre Lebenszeit in Aussicht gestellt. Manch eine Erkrankung hält sich offenbar nicht an Vorhersagen. Jedenfalls ging es zum Schluß verdammt schnell. Wir hatten am 05.12.2025 ein Freitag, noch telefoniert. Er sagte, er freue sich auf den Besuch am folgenden Tag. Offenbar hat sich sein Gesundheitszustand dann schlagartig verändert, da er noch am Wochenende eine OP durchführen lies, die er vorher ablehnen wollte. Das letzte mal hörte ich von Ihm am 08.12.2025 wo er mir zwei SMS schrieb, die ich jedoch nur kurz beantwortete. Ich wollte Ihm Ruhe gönnen. Als ich dann versuchte, Ihn am 15.12.2026 zu erreichen, gelang mir das nicht mehr. Ein paar Tage später schrieb ich an das Seniorenheim wo er inzwischen lag, und mir wurde nur mitgeteilt, das er am 15.12.2026 verstorben sei.

Inzwischen sind gut 5 1/2 Monate vergangen. Und noch immer kann ich es nicht wirklich fassen. Ich vermisse seine Anrufe, ich vermisse seine Art, einen zu überraschen und mir fehlen die Gespräche.

Lieber Norbert, Ruhe in Frieden!

mein-nachruf-fuer-norbert.1779233548.txt.gz · Zuletzt geändert: von niemandsland

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